Im Rahmen der ebenso omnipräsenten wie nicht enden wollenden Diskussion um die Mordserie von Winnenden wird scheinbar dezidiert und bis ins kleinste Detail erforscht, wie es dazu kommen konnte. In dem Zusammenhang wurde die „Killerspiel“-Diskussion abermals entfacht. Was bereits von verschiedenen Innenministern nach einschlägigen Amokläufen immer wieder auf populistische Art und Weise in den Raum geworfen wird, trifft in weiten Teilen der Wissenschaft auf Widerspruch. Ein totales Verbot von Killerspielen könne derartige Amokläufe nicht verhindern.
In der Tat hat es schon Mordserien gegeben, als noch mit Schwert und Schild gekämpft wurde. Massaker hat es in allen Epochen gegeben, ob man nun die Machenschaften römischer Kaiser, die Bartholomäusnacht oder die Despoten des 20. Jahrhunderts nennen will. Nun wird man sagen, dass diese Machenschaften eine völlig andere Qualität hatten, waren sie doch machtpolitisch motiviert (was die Taten in keiner Weise rechtfertigt).
Fakt ist, dass zu diesem Zeitpunkt noch niemand an Computerspiele dachte. Folglich ist zu erwarten, dass es weiterhin derartige Amokläufe geben kann, selbst wenn alle Gewalt darstellenden Medien verboten werden.
Überhaupt richtet sich die Kritik gegen den Begriff „Killerspiele“. Ganz klar werden in diesen Spielen Gewaltszenen in immer realistischeren Szenarien dargestellt. Der Terminus sollte allerdings sachlicher gewählt werden. Ursprünglich heißen derartige Spiele, die aus der Ich-Perspektive gespielt werden, First-Person- oder später verkürzt Ego-Shooter. Übersetzt man dieses Genre (hiervon muss die Rede sein, es dürfte in diesem Bereich mittlerweile tausende Spiele geben) ins Deutsche, so müsste die Bezeichnung Ich-Perspektiven-Schießspiel heißen. Zugegebenermaßen ein völlig unpraktikabler Begriff. Schießspiel jedoch trifft den Kern der Sache. Kritiker könnten nun Verharmlosung vorwerfen. Immerhin spielen ca. 2 Mio. Menschen in Deutschland derartige Spiele, weltweit noch viele weitere Millionen, besonders in den Vereinigten Staaten und Japan. Wie überall führen die meisten dieser Spieler ein völlig normales Leben, gehen angesehenen Berufen nach, sind verheiratet und haben Kinder. Amok laufen nur solche, die subjektiv nichts zu verlieren haben. Wertvorstellungen werden aber nicht von PC-Spielen vermittelt, sondern vom Elternhaus. Dass nachher tatsächliche Zusammenhänge zwischen PC-Spielen und dem Vorgehen des Täters bestehen, ist nur ein Nebeneffekt. Eine Kausalität dürfte dagegen kaum nachzuweisen sein.


