Archiv für die Kategorie ‘Wort zum Sonntag’

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Killerspiele

März 17, 2009

Im Rahmen der ebenso omnipräsenten wie nicht enden wollenden Diskussion um die Mordserie von Winnenden wird scheinbar dezidiert und bis ins kleinste Detail erforscht, wie es dazu kommen konnte. In dem Zusammenhang wurde die „Killerspiel“-Diskussion abermals entfacht. Was bereits von verschiedenen Innenministern nach einschlägigen Amokläufen immer wieder auf populistische Art und Weise  in den Raum geworfen wird, trifft in weiten Teilen der Wissenschaft auf Widerspruch. Ein totales Verbot von Killerspielen könne derartige Amokläufe nicht verhindern.

In der Tat hat es schon Mordserien gegeben, als noch mit Schwert und Schild gekämpft wurde. Massaker hat es in allen Epochen gegeben, ob man nun die Machenschaften römischer Kaiser, die Bartholomäusnacht oder die Despoten des 20. Jahrhunderts nennen will. Nun wird man sagen, dass diese Machenschaften eine völlig andere Qualität hatten, waren sie doch machtpolitisch motiviert (was die Taten in keiner Weise rechtfertigt).

Fakt ist, dass zu diesem Zeitpunkt noch niemand an Computerspiele dachte. Folglich ist zu erwarten, dass es weiterhin derartige Amokläufe geben kann, selbst wenn alle Gewalt darstellenden Medien verboten werden.

Überhaupt richtet sich die Kritik gegen den Begriff „Killerspiele“. Ganz klar werden in diesen Spielen Gewaltszenen in immer realistischeren Szenarien dargestellt. Der Terminus sollte allerdings sachlicher gewählt werden. Ursprünglich heißen derartige Spiele, die aus der Ich-Perspektive gespielt werden, First-Person- oder später verkürzt Ego-Shooter. Übersetzt man dieses Genre (hiervon muss die Rede sein, es dürfte in diesem Bereich mittlerweile tausende Spiele geben) ins Deutsche, so müsste die Bezeichnung Ich-Perspektiven-Schießspiel heißen.  Zugegebenermaßen ein völlig unpraktikabler Begriff. Schießspiel jedoch trifft den Kern der Sache.  Kritiker könnten nun Verharmlosung vorwerfen. Immerhin spielen ca. 2 Mio. Menschen in Deutschland derartige Spiele, weltweit noch viele weitere Millionen, besonders in den Vereinigten Staaten und Japan. Wie überall führen die meisten dieser Spieler ein völlig normales Leben, gehen angesehenen Berufen nach, sind verheiratet und haben Kinder. Amok laufen nur solche, die subjektiv nichts zu verlieren haben. Wertvorstellungen werden aber nicht von PC-Spielen vermittelt, sondern vom Elternhaus. Dass nachher tatsächliche Zusammenhänge zwischen PC-Spielen und dem Vorgehen des Täters bestehen, ist nur ein Nebeneffekt. Eine Kausalität dürfte dagegen kaum nachzuweisen sein.

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Recht und Moral 2009

März 10, 2009

Zum Zeitpunkt des letzten Blogeintrags war die Welt fast noch in Ordnung. Keine Wirtschaftskrise, keine Schafe auf der ICE-Strecke sowie die dazugehörigen Schäfer – zunächst amouröse Abenteuer bestehend,  später mehr oder weniger musizierend – auf der Mattscheibe. Dabei war die Entwicklung absehbar und basierte auf einer stetigen Entwicklung. Natürlich kann man einen anderen Eindruck bekommen, wenn man sich an die Berichterstattung jener Tage zurückerinnert.  So mancher Banker, Versicherer oder Industrielle in Europa wird sich noch in Sicherheit gewogen haben, als die Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten um sich griff und mit Freddie Mac, Fanny Mae und den Lehman-Brüdern das tat, was sonst nur Kyrill oder Katrina mit den Holz- und Kunststoffverschlägen, die man in den USA Wohnhäuser nennt,  anzurichten im Stande sind.

Dabei musste sich doch jeder, der sich auch nur ein bisschen für die Funktionsweise des Systems interessiert (was in der Natur der Sache liegt, wenn man damit Geld verdient), fragen, wie das alles überhaupt über einen so langen Zeitraum gut gehen konnte. Doch scheinbar wollte keiner die Augen öffnen, solange die Kassen klingelten.

Umso bedenklicher ist die Art und Weise, die die Verantwortlichen an den Tag legen. Manager bekommen Millionengehälter, obwohl „ihre“ Unternehmen rote Zahlen schreiben. Banker bestehen unter den gleichen Voraussetzungen auf satte Bonuszahlungen. Frau Maria-Elisabeth S. verzockt sich im größten Stil, als die S.-Gruppe die viel größere, DAX-notierte Continental AG schlucken will. Ebenso Herr Adolf M., der sich seiner Verantwortung gegenüber einer Vielzahl von Mitarbeitern durch Suizid entzieht. Bei beiden handelt(e) es sich um mehrfache Milliardäre, die ihr restliches Leben auf den Bahamas hätten verbringen können und selbiges aus Zinsen hätten finanzieren können. Aber nein, womöglich war es die nicht endende Gier, die zu immer weiteren Spekulationen, Übernahmen und Zockereien geführt hat. Ein Spiel mit Geld, ein Nervenkitzel bar jeglichen Sinnes. Dann die Dreistigkeit zu besitzen, weinenden Auges vor die Presse zu treten und den Staat um Geld anzubetteln, sprengt jede sittliche und moralische Grenze.

Man darf gespannt sein, wie die Prozesse ausgehen, in denen Banker ihre vertraglich vereinbarten Bonuszahlungen einklagen wollen. Recht und Moral – ein Spannungsfeld, das nicht nur grundlagentheoretischer Natur ist, sondern von tagesaktueller Relevanz.

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Nicht noch eine Wahlanalyse

Oktober 3, 2008

Historisch kann man das Ergebnis der Landtagswahl vom 28. September 2008 nennen. Von dramatischen Stimmenverlusten, von einem Erdbeben, einer Katastrophe war dieser Tage in den Ausgaben bedeutender und weniger bedeutender Druckerzeugnisse zu lesen. Die stärkste Partei zu sein war und ist für die CSU im lokalpatriotischen Bayern Normalität. Immerhin beträgt der Vorsprung auf die zweitstärkste Partei (ja, es gibt auch Sozialdemokratie in Bayern!) stattliche 24,8 %. Vielleicht kam und kommt es wirklich zu einem Umdenken in dem Bundesland, das sich seit Äonen als in irgendeiner Form besonders betrachtet. Vielleicht war es aber auch gerade die grundkonservative Haltung, die den gemeinen Bayern (und auch dem Franken, von dem immer wieder halbherzige Autonomiebestrebungen ausgehen) am Ende schließlich in Konflikt mit der „Nationalpartei“ CSU brachten. Schließlich haben sich starke Führungspersönlichkeiten sowohl im Königreich als auch im Freistaat bewährt. Die vormalige CSU-Doppelspitze kann so als Neuerung verstanden werden, die eher unpopulär gewirkt haben muss. Sowohl Strauß als auch Stoiber waren – trotz oder gerade auf Grund ihrer Eigenheiten – starke Persönlichkeiten, die manchem Monarchen ähnlicher waren als einem Politiker. Zudem standen beide über viele Jahre der Partei vor und verkörperten so Kontinuität und Nachhaltigkeit.

Genau dies gelang der dahingeschiedenen Doppelspitze Beckstein/Huber nicht. Die Kombination aus zwei zwar gestandenen, aber doch recht unterschiedlichen Politikern dürfte der Vorstellung von politischer Führung, die vielen Bayern vorschwebt, nicht unbedingt entsprochen haben. Gerade dem evangelischen Franken Beckstein gelang es nicht, die Partei hinter sich zu bringen; aber auch der niederbayerische Niederbayer [sic] Huber hatte keinen leichten Stand bei den mächtigen oberbayerischen CSU-Granden.

Und trotzdem kam die CSU auf 43,4 % der Stimmen. Nutznießer war in erster Linie nicht etwa der große sozialdemokratische Konkurrent, der sogar seinerseits einen Prozentpunkt abgeben musste; nein, die kleinen Parteien, allen voran die Freien Wähler mit der Königsmörderin Gabriele „die Gabi“ (Zitat von Strauß-Tochter Monika Hohlmeier in der Beckmann-Sendung vom 29.09.2008, ARD) Pauli an der Spitze, die auf beachtliche 10,2 % kam und damit in den Bayerischen Landtag einzog. Aber auch Grüne (9,4 %) und besonders die F.D.P. (8,0 %) konnten zulegen und in den Landtag einziehen, was der Linken erwartungsgemäß verwehrt blieb.

Für die Zukunft der CSU wird es darauf ankommen, wie es der Partei gelingt, eine neue, schlagkräftige Führung zu installieren, der es gelingt, sowohl die Basis zu erreichen als auch mächtige Unterhäuptlinge auf  Linie zu bringen.

Dann darf man davon ausgehen, dass die CSU wieder absolute Mehrheiten in Bayern holt. Oder anders: Dass wieder Normalität einkehrt.

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Die Qual der Wahl

März 16, 2008

Schließlich konnten die Wahlen in der unterfränkischen Metropole heute durch die OB-Stichwahl doch noch abgeschlossen werden. Nachdem zwei Wochen zuvor über die Besetzung des Stadtrats und des OB gleichermaßen entschieden werden sollte, was im letztgenannten Fall nicht zu einem Ergebnis führte, konnte sich diesmal der sozialdemokratische Außenseiter gegen die seit sechs Jahren amtierende Christsoziale durchsetzen.

Interessant war jedenfalls der Blick hinter die Kulissen der Auszählung. Dass das Auszählen panaschierter und kumulierter Stimmzettel mit bis zu 50 möglichen Stimmen die oft freiwilligen Wahlhelfer vor Berge von Arbeit stellt, dessen sind sich die Wähler beim Setzen der Kreuze und Ziffern wahrscheinlich nicht bewusst. Aber natürlich muss alles seine Ordnung haben und so wird mit preußisch (auch wenn man das hierzulande nicht gerne hört) anmutender Akribie und Arbeitsamkeit jeder Zettel mehrfach eingeordnet, durchgerechnet und überprüft, bis sich nach und nach im Stile eines Mosaiks eine Kontur, später ein Bild und schließlich ein amtliches Ergebnis abzeichnet.

Der Wähler hat durch Panaschieren und Kumulieren die Möglichkeit, noch detaillierter auf das Ergebnis einzuwirken, was dieses Wahlsystem augenscheinlich noch demokratischer macht. Denn anders als bei dem üblichen Listenkreuz, das natürlich auch hier möglich war, wird dem Wähler die Möglichkeit einer direkten Wahl einzelner Personen gegeben. Dem wird aber die Gefahr der Entpolitisierung des Bürgers entgegengehalten, weil die Wahl personenbezogener ist, so dass politische Programme an Bedeutung und Gewicht verlieren. Allerdings ist davon auszugehen, dass der Wähler sich immer auch darüber im Klaren ist, welcher Partei die jeweilige Kandidatin oder der jeweilige Kandidat angehört und dieser sich genau überlegt, ob er diese oder jene Partei unterstützen will, indem er eine bestimmte Person mit Stimmen bedenkt. Allerdings tut man gut daran, eine solche Persönlichkeitswahl lediglich auf kommunaler Ebene zu praktizieren; die Geschichte hat gezeigt, wie gefährlich Direktwahlen auf höchster Ebene sein können.

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Neues vom Spießer

Mai 26, 2007

Unlängst erschien euf einem der meistgelesenen deutschsprachigen Online-Nachrichtendiensten ein Artikel über den Wandel des Spießerbegriffs.

Einigkeit dürfte darüber bestehen, dass sich der Begriff – besonders im Lauf der letzten 35 jahre – in seiner Bedeutung und Tragweite tatsächlich verändert hat. Waren die mit einem Spieß bewaffneten bürgerlichen Fußtruppen zunächst mittelalterlichen Ursprungs, so entwickelten sie sich in der Barockzeit bis hin zum 20. Jahrhundert zu einem Sammelbegriff für eine Schicht bzw. Denkweise, verbunden durch gemeinsame Wertvorstellungen. In den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelte sich das Spießbürgertum als Kampfbegriff zur Abgrenzung der studentischen Linken gegen das Establishment (Wer zweimal mit derselben…).

Die heutige Verwendung des Begriffs zeigt sich uneinheitlich. Während besonders ältere Semester am negativ konnotierten Spießerbegriff festhalten, bewegt sich der moderne Spießer hin zu einer neutralen bis hin zu einer positiven, mit Selbstbewusstsein getragenen und propagierten Bezeichnung („Wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden.“). Der oben zitierte Artikel fährt mit der These auf, der Spießer sei – gleich einem Anwartschaftsrecht, der Gedanke drängte sich auf- ein immer größer werdendes, wesensgleiches Minus der Jugend, die daher mit zunehmendem Alter immer spießiger wird. Um den angedachten Vergleich mit dem AnwR fortzuführen, könnte man sagen, dass das Minus dann zur vollen Spießigkeit erstarkt, wenn der 21. Geburtstag gekommen ist.

Dieser Ansatz mag einerseits aus Sicht der Jugend, die sich seit jeher um Abgrenzung zur Welt der Erwachsenen bemüht hat, vertreten werden; andererseits wird er denjenigen nicht gerecht, die sich heute selbst gern als Spießer bezeichnen. Darüber hinaus sieht sich nicht jeder als Spießer, der den 21. Geburtstag hinter sich hat.

Vielmehr muss heute das, was dem Spießer schon lange anhaftet, auch weiterhin als entscheidendes Kriterium gesehen werden: Konservativismus. Womöglich ist es der Konservativismus, der sich verändert hat – nicht der Spießerbegriff.

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Zwischenbericht Mai 2007

Mai 13, 2007

„Kurz vor Toreschluß“ (original von Christian R.) kribbelten einmal mehr die Finger, es musste nach fast vier Wochen wieder ein Eintrag her. Das hat weniger mit dem heutigen Datum zu tun, das sich sicherlich nicht ganz zufällig auf dem Kennzeichen des Wagens befindet, der sich nach dem schrecklichen Unfall Ende Februar nun endlich in Rekonvaleszenz befindet. Vielmehr ist es der immer näher rückende September, der in vielen bayerischen Studentenköpfen (vgl. hessisch: „Studendeköpp„) Unbehagen oder schlicht Stress hervorruft.  Die öffentlichen Stellen, die für Beglaubigungen zuständig sind, reiben sich die Hände und debattieren in Vollversammlungen darüber, wie die immensen Mehreinnamen in den nächsten Jahren verteilt werden sollen. Gelobt sei die kleine Gemeinde, die mit dem Slogan „Erholung pur zwischen Rhön und Vogelsberg“ (googeln führt übrigens nicht zum richtigen Ergebnis) wirbt. Hier wird Service für den Bürger groß geschrieben, speziell gegenüber Studenten zeigt man sich von der großzügigsten Seite. Das verdient Erwähnung, da weiß man, dass die Entscheidung, die 2×30 € zunächst nicht anzunehmen, nicht ganz falsch gewesen sein kann.

Was ist noch passiert?

Da sticht die Verurteilung Paris Hiltons zu 45 Tagen Gefängnis ins Auge. Nicht, dass hier große Sympathien mitschwingen würden,  aber der Fall ist einfach zu bezeichnend, um von einer kurzen Blaupause abzusehen.

Fassen wir nochmal zusammen: Paris Whitney Hilton (26), deren Vermögen auf 1,4 Milliarden Dollar geschätzt wird,  führte ein Fahrzeug, obwohl sie zuvor Alkohol konsumiert hatte. Soweit ist das nichts besonderes. Damit verstieß sie aber gegen Bewährungsauflagen, die von einem früheren Urteil wegen des gleichen Delikts herrührten. Die Millionenerbin, die in der Öffentlichkeit durch alles auffällt, nicht aber durch besondere Leistungen, fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit, ohne Licht und ohne Führerschein. In Deutschland wäre sie kraft einer Verurteilung nach § 21 StVG sicher nicht mit 45 Tagen davongekommen, man denke nur an Charakterdarsteller Martin Semmelrogge, der insgesamt fast so viele Monate in Justizvollzugsanstalten verbrachte, Prominenz hin oder her.

In den Vereinigten Staaten aber scheint vieles anders zu sein. Da fleht das Kind aus dem goldenen Käfig Gouverneur Schwarzenegger an, ihr die Strafe zu erlassen. Hoffentlich ist Conan der Barbar alias Terminator sich darüber im Klaren, dass er mit einer Hafterleichterung bzw. mit einem Erlass die Glaubwürdigkeit des US-amerikanischen Rechtssystems aufs Spiel setzen würde. Untechnisch gesagt: Gleiches Recht für alle, egal, wie oft sie im TV zu sehen sind oder wieviel Geld sie haben (nicht: verdienen).

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Sommereinbruch

April 18, 2007

Hallo liebe Freunde des geschriebenen Wortes!

(in einem der größten Foren Deutschlands würde man hinter diesen Satz „scnr“ schreiben…)

Wir schreiben den 18. April 2007 und konstatieren, dass in den letzten Tagen für diese Jahreszeit untypische Temperaturen gemessen wurden. Böse Zungen und Klimafanatiker würden von der verfrühten klimatischen Apokalypse sprechen, wir aber, unverbesserliche Optimisten und noch dazu aufgeklärt, verweisen auf die alte Bauernregel April, der weiß nicht was er will, während wir flipflop-klatschend den nächsten Park aufsuchen, um die zunächst angenehmen Temperaturen auszunutzen.

Manchen scheint die Sonne sehr zugesetzt zu haben: Die Hinrichtungen, die ein 23jähriger gebürtiger Südkoreaner in Blacksburg vor zwei Tagen in der technischen Universität von Virginia begangen hat, sind für einen körperlich und geistig gesunden Erdenbürger nicht nachzuvollziehen. Abgesehen davon, dass dies nicht der erste und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit leider nicht der letzte Tötungslauf (von Amoklauf kann hier keine Rede sein, denn der Begriff Amok, der aus dem Malayischen stammt, bedeutet soviel wie in blinder Wut angreifen und töten, was hier auf Grund der Zielgerichtetheit des Massenmörders ausscheidet) war, den die Medien ausschlachten können. Das Bedürfnis nach Information ist nach zwei Tagen Berichterstattung jedenfalls mehr als gedeckt. Nur aus Kondolenz gegenüber den Angehörigen der Opfer wird an dieser Stelle auf weitere wertende Äußerungen bezüglich der Medienberichte verzichtet.

Fraglich ist, was die Konsequenzen der ganzen Aktion sein werden. Die Politik fühlt sich – auch angestachelt durch die Medien – in der Verantwortung. Auch in der Bevölkerung werden da schnell Rufe nach dem Staat laut. Der Staat – ein Gebilde, das in Zeiten supranationaler Beziehungen häufiger totgesagt wird denn als funktionierend bezeichnet. Immerzu wird er verteufelt, als behäbiger, langsamer, unflexibler Leviathan, der in den letzten Atemzügen liegt. Wenn dann aber materielle Not oder andere Probleme auftreten, die scheinbar für den Einzelnen unmöglich zu lösen sind, ist der Staat wieder en vogue.

Aber so ist der Mensch. Hält er sich für frei in seinem Willen, so ist er doch Sklave seiner Primitivität. Ein weiteres Beispiel dafür, dass das Denken in größeren Zusammenhängen nur wenigen vergönnt ist, war heute auf der Seite von heise.de zu lesen: Dort ging es in einem Artikel, der einen Feldversuch zur Einführung von elektronischen Reisepässen (Betriebswirte der New Economy würden ePass sagen) zum Inhalt hatte.

Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums läuft der am 1. März gestartete Feldtest zur Aufnahme von Fingerabdrücken im elektronischen Reisepass (ePass) problemlos. Die Akzeptanz zur Abgabe des Fingerabdruckes sei in der Bevölkerung vorhanden. Nur vereinzelt fragten Antragsteller nach, was mit den abgenommenen Fingerabdrücken passiert. Die meisten freuten sich über den Preisnachlass von 5 Euro, mit dem Meldeämter die Testteilnahme „vergüten“.
Das muss man sich einmal vorstellen: Das fertige Machwerk geht zu einem Preis von 59 Euro über die Amtstheke, 5 Euro Ermäßigung stellen im Verhältnis dazu eine Ersparnis von weniger als 10% dar.

Das erinnert unweigerlich an das feature (ja, die New Economy hat es mir angetan!) Rechnung Online eines großen Telekommunikationsunternehmens, das für den Verzicht auf eine gedruckte Rechnung dem Kunden einmalig 5 Euro gutschreibt. Im Gegenzug kann der Kunde „bequem zu Hause“ die Rechnung ausdrucken (und seine Zeit und seine Druckerressourcen dafür verwenden). Dass besagtes Unternehmen so durch die Einsparung von Papier (und Mitarbeitern) Millionen spart, ist aus seiner Sicht ein netter Nebeneffekt. Vorteile hat das Ganze über die 5 Euro hinaus für den Kunden: So kann man für rund 50 Euro im Monat unbegrenzt im Internet surfen und im Festnetz telefonieren. Toll!

Vielleicht ist es gerade diese Einfältigkeit, die dem Bürger auf der Straße das Verständnis für so manche politische Entscheidung verwehrt.

Um den Kreis zu schließen:

Fakt ist, dass derjenige, der mit Waffengewalt töten will, das immer tun kann. Wo immer Menschen miteinander leben, laufen sie heute leichter als jemals zuvor Gefahr, von einem fehlgeleiteten Mitmenschen getötet zu werden. Die Politik ist machtlos. Zum friedlichen Miteinander muss heute mehr denn je auch auf das Wohl des anderen geachtet werden, denn nur derjenige, der leidet, greift zu solch rabiaten Mitteln, um seiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen und gleichzeitig Rache an einer ignoranten Gesellschaft zu üben.

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Ostern und Co.

April 7, 2007

Beinahe ein Monat ist seit dem letzten Eintrag vergangen, so dass es nur noch fünf sind bis zur Woche X.

Sed fugit interea, fugit inreparabile tempus …

Vergil (70-19), Publius Vergilius Maro

 

Darüber hinaus könnte man fast vergessen, dass Ostern vor der Tür steht. Aber bitte ohne Schnee wenn möglich. Die Klimadebatte ist angeheizt, die Stimmung ist gereizt. US-amerikanische Politstrategen sowie Vertreter aus dem Reich der Mitte drängten darauf, den Weltklimabericht der IPCC zu entschärfen; und sie obsiegten. Somit wurden kritische Passagen einfach gestrichen. Wenn es nur immer so einfach wäre, Wirbelstürme, Trockenheit, Überflutungen und Brände zu bekämpfen. Zumindest haben die Weltmächte durchaus Kurzsicht bewiesen. Zu Gunsten eines kurz- bis mittelfristigen wirtschaftlichen Fortkommens wird aus Gründen der Bequemlichkeit einfach weggesehen. Auch wenn nicht nach- und erwiesen und vor allem für die Zukunft abzusehen ist, inwieweit Emissionen die menschliche Existenz bzw. Teile davon im Stande sind zu beeinträchtigen, ist es unverantwortlich, ein solches mögliches Problem einfach zu ignorieren. Sollen sich doch die nachfolgenden Generationen damit rumschlagen, schließlich kostet Klimaschutz auch eine Menge Geld.

Fest steht dagegen auch, dass die Klimadebatte aktuell eine Aufmerksamkeit erlangt, die fast nicht mehr zu ertragen ist. Der Problemkomplex ist seit Jahrzehnten bekannt, aber dank der Medien sprechen jetzt nicht nur noch Experten darüber, sondern Max Mustermann aus Musterstadt abends beim Feierabendschoppen in der Kneipe am Eck. Das mag Vor- und Nachteile haben: Problembewusstsein (Probleme schaffen, nicht wegschaffen!) ist auch beim Normalbürger nicht fehl am Platz. Ob er damit freilich sein Verhalten ändert, nicht die Rollläden herunterlässt und das Licht einschaltet, damit ihn die sommerliche Abendsonne nicht blendet, erscheint mehr als fraglich. Zumindest nach außen hin mimen befragte Menschen auf der Straße durchaus den flexiblen, selbstkritischen und problembewussten Bürger. Wenn diese nach dem Interview nicht umgehend in ihren X5 oder Cayenne klettern würden, könnte man beinahe geneigt sein zu glauben, es bewege sich etwas.

Ein verwandtes, mittelbar mit dem Klimaschutz in Zusammenhang stehendes Problemfeld, das sehr viel konkretere Schwierigkeiten mit sich bringt, ist der globale Wassermangel. Die Zeit hat den Vorstandsvorsitzenden des größten Lebensmittelkonzerns Nestlé, Peter Brabeck-Letmathe, befragt. In dem Interview, das über vier Seiten geht, spricht Brabeck-Letmathe über verschwenderischen Umgang mit dem kostbaren Gut, über die Begrenztheit des Rohstoffs und die daraus resultierenden Konsequenzen. Hier ein kurzer Auszug (S. 4 a. E.):

[ ...]

Pro Liter Flaschenwasser brauchen wir zusätzlich 0,6 Liter – für die Herstellung der Verpackung, für die Reinigung der Abfüllanlage und so weiter. Ein Liter Cola hingegen benötigt drei bis vier Liter Wasser. Ein Liter Bier sogar fast sieben, und da ist der Anbau von Hopfen und Malz noch nicht einmal mit eingerechnet. Also: Je mehr Wasser Sie trinken, desto mehr Wasser sparen Sie.

[...]

Trotzdem allen ein schönes Osterfest – auf dass möglichst viele Unschuldslämmer den morgigen Sonntag überleben!

 

 

 

 

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Kyrillisch für Anfänger

Januar 18, 2007

Abzuwarten bleibt, welchen Schaden der sich in aller Munde befindliche Kyrill anrichten wird. Steuerschäden sind jedenfalls schon abzusehen: Die Universität wurde um 15 Uhr geschlossen. Und dafür zahlt man Studiengebühren.

Ebenso wurde der öffentliche Nahverkehr stillgelegt sowie vielerorts Unterricht abgesagt. Was morgen sein wird? Niemand vermag es zu sagen. Aus Bagdad berichtete *hust* pardon, aus Bagdad berichtete unser Korrespondent Jörg Armbruster *hust*.

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Frohes neues Jahr!

Januar 7, 2007

Wieder ein Jahr vorbei…

Das kostbarste, was uns zur Verfügung steht, scheint sich zu verflüchtigen wie Morgennebel in der prallen Sommersonne.

Tempus fugit, carpe diem!