Worüber man in Asterix erobert Rom bereits im Jahr 1976 genüsslich lachen konnte, kann man gelegentlich in der deutschen Bürokratie - auf Grund der Einheit der Verwaltung sei diese hier über einen Kamm geschoren – auch heute noch erleben.
Hintergrund: Grundsätzlich ist es üblich, Bewerbungen beglaubigte Kopien beizulegen. Da diese in der Regel bei den einschlägigen öffentlichen Stellen mit 2,50 bis 5 € pro Stück zu Buche schlagen, schaut man sich als Bedürftiger schnell nach Alternativen um. Wohl dem, der den Freistaat Bayern sein Zuhause nennt! Denn nach dem offiziellen Merkblatt für die Aufnahme in den Vorbereitungsdienst für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst im OLG-Bezirk Bamberg werden
„die zur Vorlage bei einem Oberlandesgericht in Bayern benötigten Abschriften [...] bei jedem bayerischen Gericht kostenlos beglaubigt.“
Ein ebenso einfacher wie bemerkenswerter Satz. Ausdrücklich ergeht an dieser Stelle der Hinweis, dass selbiger nicht aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Folglich müsste der Leser also davon ausgehen dürfen, in jedem Bayerischen Gericht (oder zumindest in jeder Urkundenstelle) kostenlos beglaubigte Kopien des betreffenden Schriftstücks zu bekommen.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf wurde nun der kürzestmögliche Weg gewählt, der direkt ins Strafjustizzentrum in der Ottostraße führte. Am Eingang wartete bereits ein wenig entpannt wirkender Wachtmeister, der, nachdem er demonstrativ seinen musternden Blick streifen ließ, zu verstehen gab, dass die Sprechanlage nun zur Aufnahme meines Anliegens freigeschaltet sei. Die Frage nach der Beglaubigung eines Zeugnisses muss wohl übers Ziel hinausgeschossen sein. „Eine Apostille?“ war die etwas schroffe Gegenfrage. Nein, eine beglaubigte Kopie. Mit einem „einen Moment bitte“ wurde zu verstehen gegeben, dass zuerst telefoniert werden müsse. Drei Minuten vergehen, ehe die Sprechanlage mit einem Druck auf den vorgesehenen Knopf aktiviert und noch einmal genauer nachgefragt, offenbar aber keine Antwort erwartet wurde, denn ein solcher Versuch wurde mit einem „fallen Sie mir nicht ins Wort“ quittiert. „Beglaubigte Kopien gibt es hier nicht, da müssen Sie in die Außenstelle Landwehrstraße“. Mildes Wetter, kaum Regen, kein Termindruck, ca. 1000 Schritte, warum also nicht? Dort angekommen, war es wieder ein Sicherheitsmann, der erkärte, wo Zi. 22 zu finden sei. „Die Treppe hoch, den Gang rechts bis ganz zum Ende, dann rechts die Treppe nach unten, den Gang entlang und dann sind sie schon da.“ Nach einigen abenteuerlichen Umwegen, die aber ob der umfangreichen Beschreibung ohnehin eingeplant waren, war das vermeintliche Ziel aller Träume endlich doch erreicht. „Beglaubigte Kopien hätte ich gerne!“ Sofort fragt die Dame am Schreibtisch nach Wertmarken, eine beglaubigte Kopie koste 5 €. Der Hinweis auf das o.g. Merkblatt wurde mit einem lapidaren „das gilt nur für die beiden Kopien, die bereits bei Ihrem Zeugnis dabei waren…die sind für die Bewerbung“ abgetan. Diskutieren zwecklos.
„Wertmarken bekommen sie in der Ottostraße.“ Der Hinweis, gerade von dort geschickt worden zu sein, ließ ein mitleidiges Lächeln über ihr Gesicht huschen. „Aber Sie können ihr Zeugnis hier lassen, dann mache ich das in der Zwischenzeit fertig.“
„Nein danke.“ Diskutieren zwecklos. Im in der Einleitung genannten Film heißt die entsprechende Institution übrigens Das Haus, das Verrückte macht. Leicht verärgert, aber auch belustigt über so viele bestätigte Vorurteile gegenüber der deutschen Bürokratie, wurde dieser Behördengang für gescheitert erklärt.
Passierschein A 38 – ein Sinnbild für Formalismus und übersteigerte Bürokratie.
ps: Beglaubigte Kopien gab es dann schließlich in der guten alten Heimatgemeinde - ohne Anstehen und zum Nulltarif.


