Archiv für Dezember 2010

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Psychologie der Massen

Dezember 29, 2010

heißt der Titel aus der Feder Gustave Le Bons, den der ungarische Jude André Kostolany stets als einen Klassiker der Börsenpsychologie empfiehlt – was umso bemerkenswerter erscheint, da Le Bon in seinem 1895 fertiggestellten Hauptwerk (frz. Originaltitel: Psychologie des foules) den Rassegedanken zum zentralen Inhalt macht.

Aus der Sicht des (Bildungs)Bürgers schaut er eher verächtlich auf die Massen herab und zieht als Fixpunkt seiner Forschungen mehrfach die Französische Revolution heran. Bemerkenswert sind Ausführungen, die sich mit dem Führerbegriff auseinandersetzen und sich vier Jahrzehnte später auf grausame Weise bewahrheiten sollten.

Meist sind die Führer nicht Denker, sondern Männer der Tat. Sie sind von geringem Scharfblick und können nicht anders sein, da der Scharfblick im allgemeinen zum Zweifel und zur Untätigkeit führt. Sie rekrutieren sich namentlich aus jenen Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die an der Grenze des Irrsinss sich befinden. So absurd die von ihnen verfochtene Idee oder das von ihnen verfolgte Ziel sein mag, gegen ihre Überzeugung wird alle Logik zunichte. Verachtung und Verfolgung stört sie nicht oder erregt sie nur noch mehr. Persönliches Interesse, Familie, alles wird geopfert. Sogar der Selbsterhaltungstrieb ist bei ihnen ausgeschaltet, so sehr, daß die einzige Belohnung die sie oft anstreben, das Martyrium ist.

Quelle: Le Bon, Gustave: Psychologie der Massen, autorisierte Übersetzung von Rudolf Eisler, Leipzig 1919, S. 82 f.

Bleibt offen, ob man sich in Deutschland 40 Jahre später der Ausführungen Le Bons bediente oder ob der Autor ahnte, was die Zukunft bringen würde.

Abseits der angesprochenen politischen und biologischen Fehlvorstellungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts lohnt sich ein Blick in das Werk Le Bons, weil es grundlegende massenpsychologische Verhaltens- und Funktionsweisen aufdeckt und darstellt. Auch wenn manch einer den direkten Bezug zur Börsenpsychologie vermisst, bestehen genügend Möglichkeiten, entsprechende Verknüpfungen herzustellen.

 

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Dein Boss ist Piefke? – Wien 2010

Dezember 19, 2010

Fachtagung in Wien – wer den Transfer in diesen Tagen sicher bewältigt hat (und das waren beileibe nicht alle Teilnehmer), konnte sich auf zwei ebenso interessante wie informative Tage freuen, aus denen privaterweise vier wurden. Gerade wer die Metropole erstmals bereist, sollte den einen oder anderen Tag mehr einplanen, um die relativ gut zu erreichenden Touristenmagnete, aber auch andere charmante Ecken der früheren Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches zu besuchen.

Kunsthistorisches Museum

Kunsthistorisches Museum

Nicht nur die immense Zahl vorhandener Weihnachtsmärkte versetzt den Besucher in Staunen; hinsichtlich des Stromverbrauchs gerade in der Adventszeit dürfte Wien es mit der gesamten Rest-Republik problemlos aufnehmen können.

Rathaus bei Nacht

Rathaus bei Nacht

Allein die bauliche Dimension der Stadt vermag zu beeindrucken; der Dialekt, der aus Sicht der stolzen Wiener keiner ist (Bundesdeutsch dagegen anscheinend schon), tut sein Übriges.

Parlamentsgebäude

Parlamentsgebäude

Für Historiker dürfte Wien ein Genuss ein. Auch abseits des monumentalen Stephansdoms wartet die Stadt mit kaiserlichem Prunk und geschichtsträchtigen Gebäuden auf.

Stephansdom

Nicht erst wenn man Benedikt XVI. oder Kai Pflaume von den Plakatwänden lächeln sieht, muss dem geneigten Beobachter auffallen, dass die Stadt wenig von ihrer “deutschen” Prägung verloren hat.

Wien ist anders.

Fazit: Eine Stadt, die jederzeit eine Reise wert ist.

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Mit Harken und Ösen

Dezember 6, 2010

Heute war auf der Website eines großen Münchener Nachrichtenmagazins ein Artikel zur Schuldenkrise sowie zur Frage “Euro – ja oder nein?” zu lesen, der aus der Feder eines “Topökonomen” aus Hamburg stammt. Bereits die erste Zeile rief Verwunderung hervor, bezeichnet der habilitierte Volkswirt doch das, was in Deutschland in Bezug auf die Schuldenkrise vor sich geht, als

mit allen Harken und Ösen ausgetragener Kampf.

Ohne dem Urheber bzw. dem Lektor des Magazins zu nahe treten zu wollen, muss die Frage gestattet sein, wie man zu einer solchen Redewendung kommt oder sich einen Kampf mit “Harken und Ösen” vorzustellen hat. Das bekannte Sprichwort funktioniert indes “mit Haken und Ösen” und bezeichnet allgemein Widrig- oder Schwierigkeiten, insbesondere auch bei Verhandlungen oder Beschlussfindungen. Wer weiß, was eine Harke ist, dies womöglich schon einmal ausgewählten Mitmenschen gezeigt hat, hat seine Meinung nachdrücklich kundgetan, Revanche genommen oder auf prahlerische Weise gezeigt, wie etwas richtig geht. Gartengeräte helfen hier schon gar nicht weiter.

Bei aller Schmunzelei über die kleine Verwechslung darf jedoch nicht unterschlagen werden, dass der Artikel auch aus anderen Gründen lesenswert ist, besonders weil er im Hinblick auf mögliche Lösungsansätze für die Finanzkrise neue Perspektiven aufzeigt.

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