heißt der Titel aus der Feder Gustave Le Bons, den der ungarische Jude André Kostolany stets als einen Klassiker der Börsenpsychologie empfiehlt – was umso bemerkenswerter erscheint, da Le Bon in seinem 1895 fertiggestellten Hauptwerk (frz. Originaltitel: Psychologie des foules) den Rassegedanken zum zentralen Inhalt macht.
Aus der Sicht des (Bildungs)Bürgers schaut er eher verächtlich auf die Massen herab und zieht als Fixpunkt seiner Forschungen mehrfach die Französische Revolution heran. Bemerkenswert sind Ausführungen, die sich mit dem Führerbegriff auseinandersetzen und sich vier Jahrzehnte später auf grausame Weise bewahrheiten sollten.
Meist sind die Führer nicht Denker, sondern Männer der Tat. Sie sind von geringem Scharfblick und können nicht anders sein, da der Scharfblick im allgemeinen zum Zweifel und zur Untätigkeit führt. Sie rekrutieren sich namentlich aus jenen Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die an der Grenze des Irrsinss sich befinden. So absurd die von ihnen verfochtene Idee oder das von ihnen verfolgte Ziel sein mag, gegen ihre Überzeugung wird alle Logik zunichte. Verachtung und Verfolgung stört sie nicht oder erregt sie nur noch mehr. Persönliches Interesse, Familie, alles wird geopfert. Sogar der Selbsterhaltungstrieb ist bei ihnen ausgeschaltet, so sehr, daß die einzige Belohnung die sie oft anstreben, das Martyrium ist.
Quelle: Le Bon, Gustave: Psychologie der Massen, autorisierte Übersetzung von Rudolf Eisler, Leipzig 1919, S. 82 f.
Bleibt offen, ob man sich in Deutschland 40 Jahre später der Ausführungen Le Bons bediente oder ob der Autor ahnte, was die Zukunft bringen würde.
Abseits der angesprochenen politischen und biologischen Fehlvorstellungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts lohnt sich ein Blick in das Werk Le Bons, weil es grundlegende massenpsychologische Verhaltens- und Funktionsweisen aufdeckt und darstellt. Auch wenn manch einer den direkten Bezug zur Börsenpsychologie vermisst, bestehen genügend Möglichkeiten, entsprechende Verknüpfungen herzustellen.





