Nicht noch eine Wahlanalyse
Historisch kann man das Ergebnis der Landtagswahl vom 28. September 2008 nennen. Von dramatischen Stimmenverlusten, von einem Erdbeben, einer Katastrophe war dieser Tage in den Ausgaben bedeutender und weniger bedeutender Druckerzeugnisse zu lesen. Die stärkste Partei zu sein war und ist für die CSU im lokalpatriotischen Bayern Normalität. Immerhin beträgt der Vorsprung auf die zweitstärkste Partei (ja, es gibt auch Sozialdemokratie in Bayern!) stattliche 24,8 %. Vielleicht kam und kommt es wirklich zu einem Umdenken in dem Bundesland, das sich seit Äonen als in irgendeiner Form besonders betrachtet. Vielleicht war es aber auch gerade die grundkonservative Haltung, die den gemeinen Bayern (und auch dem Franken, von dem immer wieder halbherzige Autonomiebestrebungen ausgehen) am Ende schließlich in Konflikt mit der „Nationalpartei“ CSU brachten. Schließlich haben sich starke Führungspersönlichkeiten sowohl im Königreich als auch im Freistaat bewährt. Die vormalige CSU-Doppelspitze kann so als Neuerung verstanden werden, die eher unpopulär gewirkt haben muss. Sowohl Strauß als auch Stoiber waren – trotz oder gerade auf Grund ihrer Eigenheiten – starke Persönlichkeiten, die manchem Monarchen ähnlicher waren als einem Politiker. Zudem standen beide über viele Jahre der Partei vor und verkörperten so Kontinuität und Nachhaltigkeit.
Genau dies gelang der dahingeschiedenen Doppelspitze Beckstein/Huber nicht. Die Kombination aus zwei zwar gestandenen, aber doch recht unterschiedlichen Politikern dürfte der Vorstellung von politischer Führung, die vielen Bayern vorschwebt, nicht unbedingt entsprochen haben. Gerade dem evangelischen Franken Beckstein gelang es nicht, die Partei hinter sich zu bringen; aber auch der niederbayerische Niederbayer [sic] Huber hatte keinen leichten Stand bei den mächtigen oberbayerischen CSU-Granden.
Und trotzdem kam die CSU auf 43,4 % der Stimmen. Nutznießer war in erster Linie nicht etwa der große sozialdemokratische Konkurrent, der sogar seinerseits einen Prozentpunkt abgeben musste; nein, die kleinen Parteien, allen voran die Freien Wähler mit der Königsmörderin Gabriele „die Gabi“ (Zitat von Strauß-Tochter Monika Hohlmeier in der Beckmann-Sendung vom 29.09.2008, ARD) Pauli an der Spitze, die auf beachtliche 10,2 % kam und damit in den Bayerischen Landtag einzog. Aber auch Grüne (9,4 %) und besonders die F.D.P. (8,0 %) konnten zulegen und in den Landtag einziehen, was der Linken erwartungsgemäß verwehrt blieb.
Für die Zukunft der CSU wird es darauf ankommen, wie es der Partei gelingt, eine neue, schlagkräftige Führung zu installieren, der es gelingt, sowohl die Basis zu erreichen als auch mächtige Unterhäuptlinge auf Linie zu bringen.
Dann darf man davon ausgehen, dass die CSU wieder absolute Mehrheiten in Bayern holt. Oder anders: Dass wieder Normalität einkehrt.

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