Die Qual der Wahl

Schließlich konnten die Wahlen in der unterfränkischen Metropole heute durch die OB-Stichwahl doch noch abgeschlossen werden. Nachdem zwei Wochen zuvor über die Besetzung des Stadtrats und des OB gleichermaßen entschieden werden sollte, was im letztgenannten Fall nicht zu einem Ergebnis führte, konnte sich diesmal der sozialdemokratische Außenseiter gegen die seit sechs Jahren amtierende Christsoziale durchsetzen.

Interessant war jedenfalls der Blick hinter die Kulissen der Auszählung. Dass das Auszählen panaschierter und kumulierter Stimmzettel mit bis zu 50 möglichen Stimmen die oft freiwilligen Wahlhelfer vor Berge von Arbeit stellt, dessen sind sich die Wähler beim Setzen der Kreuze und Ziffern wahrscheinlich nicht bewusst. Aber natürlich muss alles seine Ordnung haben und so wird mit preußisch (auch wenn man das hierzulande nicht gerne hört) anmutender Akribie und Arbeitsamkeit jeder Zettel mehrfach eingeordnet, durchgerechnet und überprüft, bis sich nach und nach im Stile eines Mosaiks eine Kontur, später ein Bild und schließlich ein amtliches Ergebnis abzeichnet.

Der Wähler hat durch Panaschieren und Kumulieren die Möglichkeit, noch detaillierter auf das Ergebnis einzuwirken, was dieses Wahlsystem augenscheinlich noch demokratischer macht. Denn anders als bei dem üblichen Listenkreuz, das natürlich auch hier möglich war, wird dem Wähler die Möglichkeit einer direkten Wahl einzelner Personen gegeben. Dem wird aber die Gefahr der Entpolitisierung des Bürgers entgegengehalten, weil die Wahl personenbezogener ist, so dass politische Programme an Bedeutung und Gewicht verlieren. Allerdings ist davon auszugehen, dass der Wähler sich immer auch darüber im Klaren ist, welcher Partei die jeweilige Kandidatin oder der jeweilige Kandidat angehört und dieser sich genau überlegt, ob er diese oder jene Partei unterstützen will, indem er eine bestimmte Person mit Stimmen bedenkt. Allerdings tut man gut daran, eine solche Persönlichkeitswahl lediglich auf kommunaler Ebene zu praktizieren; die Geschichte hat gezeigt, wie gefährlich Direktwahlen auf höchster Ebene sein können.

~ von christian3d am März 16, 2008.

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